Zur Einführungspflicht von
Mode-S- Transpondern
Wenn man derzeit das Thema Mode-S anspricht, stellt man rasch fest, daß es sich dabei für viele um ein Reizwort handelt. In Pilotenkreisen, wobei hier Privatpiloten in Vereinen sowie Eigner kleinerer Maschinen gemeint sind, wird an der Thematik kein gutes Haar gelassen. Aufgabe dieses Artikels ist es zunächst, den tatsächlichen Sachverhalt darzustellen und Hinweise für zukünftiges Handeln zu geben.
Lassen Sie uns zunächst mit ein paar Zitaten beginnen, die wir von einigen Piloten aufgeschnappt haben. Sicherlich sind diese nicht unbedingt repräsentativ, stellen aber doch zumindest einen häufig anzutreffenden Meinungsdurchschnitt dar. "Damit sollen wir nur besser kontrolliert werden!", "Das kommt sowieso nicht, wirst sehen!", "Eine weitere Abzocke ist das!" sowie weitere ähnliche Äußerungen bestimmen das Bild.
Bevor wir zu den einzelnen
Meinungen Stellung beziehen, lassen Sie uns die tatsächlichen Vorteile von
Mode-S kurz darstellen. In der Folge hilft dies, zu verstehen, warum es mit
Mode-S sicher weitergehen wird.
In der Vergangenheit haben
Transponder immer auf eine Radaranfrage geantwortet, es gab keine Möglichkeit,
bereits in der Abfrage zwischen Geräten an Bord verschiedener Flugzeuge zu
unterscheiden. Dies führt zu einer starken Belastung des Funkfeldes und damit
zu einem Phänomen, das sich "FRUIT" nennt. FRUIT hat nicht mit
Früchten zu tun, sondern ist eine Abkürzung für "False Replies
Unsynchronised ln Time". Dahinter versteckt sich die schlichte Tatsache,
daß zwei Transponder auf dem gleichen Radial innerhalb des Erfassungswinkels
von 3° einer Radarstation gleichzeitig antworten, was in etwa so ist, als wenn
zwei Piloten gleichzeitig PTT drücken. Ein FRUIT verursacht eine Störung, die
wiederum die Radaranlage zu einer erhöhten Abfragehäufigkeit zwingt, was das
Problem weiter verschärft. Dies ist ein Punkt, der verstanden werden muß. Ein
Lotse kann an seinem Arbeitsplatz natürlich alle Flugzeuge unterhalb eines
bestimmten Flightlevels oder nach anderen Kriterien ausblenden, aber dies
reduziert nicht die Belastung des Funkfeldes.
Hier kommt die Stärke des
Mode-S-Verfahrens ins Spiel. "S" steht für das Wort
"selektiv". Hier verbirgt sich die Möglichkeit, einzelne Transponder
gezielt abzufragen und andere vom Antworten abzuhalten. Hierdurch wird das
Funkfeld dramatisch, das heißt um ca. 80%, entlastet. Möglich wird dies durch
die Verwendung eines weltweit einmaligen Codes für jeden Transponder, der
zentral von den jeweiligen Landesluftfahrtbehörden verwaltet wird. Darüber
hinaus erfordert dies einen erheblich komplexeren Aufbau der Geräte, die zu
regelrechtem intelligenten Datenaustausch in der Lage sein müssen. Über diese
Basisfunktionen hinaus kann der Transponder auch zur Übermittlung von weiteren
Infos in beide Richtungen verwendet werden. Hierauf wollen wir in diesem
Artikel aber nicht eingehen. Weiterführende Informationen gibt es u. a. im
Internet unter den Suchworten TCAS, ADS-B, TIS und anderen.
Die treibende Kraft hinter den
Bestrebungen zur Einführung der Mode-S- Transponder sind die
Fluggesellschaften, die sich eine sicherere Flugdurchführung versprechen.
Solange der Luftraum E sowohl von IFR- als auch von VFR-Fliegern unkontrolliert
genutzt werden kann (und wir wollen, daß dies so bleibt), werden diese kommerziellen
Nutzer ihre Bestrebungen nach mehr Sicherheit nicht aufgeben, aus unserer Sicht
zu Recht.
Als eine erste Zusammenfassung läßt sich also sagen, daß die treibenden Kräfte hinter der Einführung der Mode-S-Transponder die Teilnehmer am kommerziellen Luftverkehr waren und sich mit diesen Forderungen durchgesetzt haben. Für diese ist die Einbeziehung der allgemeinen Luftfahrt nur ein Nebenschauplatz.
Ein Beispiel: ADS-B:
Dieses Kürzel steht für Advanced
Dependant Surveillance - Broadcast. Dahinter verbirgt sich ein weiteres Feature
der Mode-S-Transponder, nämlich deren Fähigkeit, zusätzliche Daten zu
übertragen. Für ADS-B werden auf das Transpondersignal GPS-Koordinaten aus
einem zusätzlichen Empfänger aufgespielt. Darüber hinaus erhält das Flugzeug
einen entsprechenden Empfänger, um diese Signale zu empfangen. In seinem Ziel
ist dies System ähnlich wie TCAS zu sehen, jedoch mit dem wesentlichen
Unterschied, daß hier wirklich genaue Positionsangaben vorliegen. Der Grund für
die ausschließlich vertikalen Ausweichempfehlungen herkömmlicher TCAS-Geräte
liegt in der Tatsache begründet, daß A/C- Transponder nur eine Höhe als
Information liefern können. Die über Feldstärke gemessene Positionsangabe
reicht nur aus, um zwischen links, rechts, vorne oder hinten zu unterscheiden.
Ein weiteres Beispiel ist TIS:
Hierfür wird die Technik umgedreht,
es werden Infos vom Radar auf die Abfragesignale moduliert und im Flugzeug
sichtbar gemacht. Dies ist z. B. für ATIS usw. sehr sinnvoll. Natürlich sind
diese Dinge für die allgemeine Luftfahrt nicht sofort der große Nutzen wie für
die kommerzielle Luftfahrt, obwohl wir von der Firma Filser bereits an einem
ADS-System für Kleinflugzeuge arbeiten.
Aber alles dies ist ohne Mode-S
nicht möglich, und daher steht eines fest: Mode-S wird kommen, und zwar
ausnahmslos für alle im transponderpflichtigen Luftraum. Die Ansicht, es könne
aber leicht zu weiteren Verzögerungen bei der Ausrüstungspflicht kommen oder
vielleicht doch zu einer großzügigeren Regelung, halten wir für sehr
unrealistisch. Diejenigen, die daran glauben, sind unseres Erachtens nach auf
dem Holzweg. Dies ist nicht unsere Meinung, sondern die von LBA und DFS sowie
einer Reihe von Kennern der Szene. Die bisherigen Verzögerungen waren auf
technische Probleme zurückzuführen, die mittlerweile gelöst sind. Die DFS ist
schon sehr weit mit Abfragetechnologie ausgestattet. Daher ist die Annahme mehr
als wahrscheinlich, daß es keine weitere Verzögerung mehr geben wird.
Ab spätestens 31.3.2008 wird VFR
nur noch in nicht transponderpflichtigen Lufträumen geflogen, was im
Wesentlichen bedeutet:
Unter 3.500 ft GND oder unter 5.000
ft MSL. Und natürlich nicht in CTRs und Luftraum C. Was bedeutet dies in der
Praxis für die Flugzeughalter, gleich ob Verein oder privat? Nun, die Umrüstung
auf einen Mode-S-Transponder muß bis zum 31.3 2008 abgeschlossen sein. Hierfür
sind zwei Dinge notwendig: Ein Transponder muß beschafft werden, und er muß
eingebaut werden. Klingt einfach, nicht? Aber: In dem Kerngebiet Europas, in
dem diese Frist gilt, gibt es ca. 50.000 Flugzeuge! Wenn wir mal zur
Veranschaulichung diese 50.000 Flugzeuge auf die noch verfügbaren 30 Monate von
heute (15.6.2005) verteilen, ergibt das ca. 1.800 Transponder im Monat! Wer
kann diese liefern und einbauen? Und: Da viele noch abwarten in der Hoffnung,
es käme vielleicht doch später oder gar nicht, verschärft sich die Situation
immer weiter. Wenn der große Run erst Mitte 2007 losgeht (9 Monate vor Termin),
müßten ca. 5.500 Transponder pro Monat geliefert und eingebaut werden. Wer soll
dies leisten?
Als Schlußfolgerung können wir
jedem nur raten, die Transponderfrage rechtzeitig anzugehen, um nicht im
Sommer 2008 Lieferpositionen in 2009 zu bekommen. Denn in 2008 kommt nach dem
Frühjahr auch wieder ein Flieger-Sommer.